Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

So lautet der Titel dreier wunderschöner Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert: einer Kantate von Georg Philipp Telemann, einer fünfstimmigen Choralmotette von Johann Michael Bach und dem Lied von Paul Gerhard, das wir in unserem EmK Gesangbuch unter der Nummer 655 finden.

Charles Wesley hat später denselben Text in seine Hymnensammlung von 1742 aufgenommen: I Know That My Redeemer Lives, und dabei die Vertonung von G. F. Händel aus dessen Messias verwendet.
Dieser Text ist bis zum heutigen Tag im christlichen Lobpreis sehr beliebt geblieben; Hillsong, My redeemer lives, Album Shout to the Lord, 2000.

Dieser Bibelvers stammt aus dem Buch Hiob, Kapitel 19, 25: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.

Hiob sprach diese Worte mitten in der schlimmsten Phase seines Lebens. Sein Alltag bestand aus immer neuen Schreckensnachrichten, Krankheit und Schmerzen. Er befand sich in großer Verzweiflung. Die Ratschläge seiner Freunde brachten ihm in seinem Elend noch zusätzlich seelischen Schmerz.

Aber trotz alledem konnte Hiob aus seiner Glaubensüberzeugung heraus seine unerschütterliche Hoffnung äußern. Er wusste, dass es letzten Endes einen Weg aus seiner Notlage geben würde, denn er erkannte Gott als seinen Erlöser.

Im semitisch-hebräischen Sprachgebrauch hat der Begriff גָּאַל Gaal (Erlöser) verschiedenste Bedeutungen. Er wurde einerseits benutzt, um einen wohlhabenden Menschen zu bezeichnen, der seinen in Not und Schulden geratenen Verwandten freikaufen und somit aus der Sklaverei oder aus seinen Bedrängnissen erretten konnte. Andererseits bezeichnet er Gottes Macht, die er seinem Volk bewiesen hat, als er es aus der ägyptischen Gefangenschaft erlöst hat. Wir finden diesen Begriff in vielen Bibelstellen: 2. Mose 15, 13, Psalmen 74,2 , 77, 16 und 106, 10.

Doch das Wichtigste ist, dass die Bibel mit dem Wort Erlöser in besonderer Weise Christus betitelt. Deutlich wird es da, wo Jesus selbst seine Mission auf der Erde beschreibt:

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. (Mk 10, 45)

Jesus erlöst uns Menschen von allem Bösen, vor allem von unserer Schuld Gott, dem Vater gegenüber und zwar durch die Zahlung eines Lösegeldes. Diese Zahlung geschieht durch sein Leiden und Sterben am Kreuz. Dort fand der wichtigste Austausch und Freikauf statt: Er lud auf sich unsere Schuld und den Zorn Gottes, den wir verursacht haben, auf dass wir, die wir an ihn glauben, erkauft, erlöst und für frei erklärt werden.

Diese Erlösung wurde der wesentliche Kern der Verkündigung in den apostolischen Briefen und in der Kirche: So erklärte Petrus: Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1. Pet. 1, 18-19.), oder Johannes in seiner Offenbarung: Und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen (Off 5, 9).

Der Apostel Paulus hat die Lehre der Erlösung in seinen Briefen am gründlichsten erklärt mit der Betonung, dass diese Erlösung auch Konsequenzen im praktischen Leben eines Christen haben sollte:

Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe. (1 Kor. 6, 20)

Diese Erlösung gilt deswegen auch für uns Christen heute, im 21. Jahrhundert, als Verpflichtung. Das bedeutet, dass wir vor allem in unserem täglichen Verhalten uns nach Gottes Maßstäben ausrichten sollen und nicht nach den gerade geltenden säkulären Trends oder irgendwelchen beliebigen Meinungen. John Wesley, Kennzeichen eines Methodisten 1

Wir sind erlöst. Auch wenn es heute in unserer Gegenwart so aussieht, als kämen immer neue „Hiobs Botschaften“ auf uns zu, können wir als Christen voller Zuversicht beten, sagen und singen:

Trotz sei nun allem, was da will / mein Herze schwach mir machen! / Wär’s noch so mächtig, groß und viel, / kann ich doch fröhlich lachen. / Man treib und spanne noch so hoch / Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch / Gott, mein Erlöser, leben. (EmK 655: 4)

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