Offener Brief an Bischof Rückert

Lieber Bischof Rückert,

im Januar tagte der vierte Runde Tisch und kam – für manche wie durch ein Wunder – zu einem einstimmigen Beschluss. In diesem Beschluss wurde u.a. eine Vorgehensweise für die Errichtung eines „konservativen“ Verbundes in der EmK aufgeführt. Seitdem ist fast ein halbes Jahr vergangen und es ist merkwürdig still geworden.

Dies kann m.E. nicht mit den besonderen Coronazeiten erklärt werden. Im Berichtsheft zur SJK z.B. muss man schon sehr genau suchen, um im Programmentwurf des KVR einige wenige Zeilen zum Thema Runder Tisch zu finden, obwohl der Beschluss doch in den Konferenzen diskutiert werden sollte. Gerade Corona machte nun ja auch deutlich, wieviel plötzlich online zu regeln geht, einschließlich der Wahlen.

Das Konzept für einen „konservativen Verbund“ wurde erarbeitet. Wo bleiben die weiteren Schritte? Uns ist bewusst, dass durch die Verlegung der Generalkonferenz und damit auch der Zentralkonferenz Planungen durcheinander kamen. Doch steht die Errichtung eines Verbundes ja nicht im Widerspruch zur (noch) gültigen VLO.

Es ist schon verwunderlich, dass Sie sich direkt nach der außerordentlichen Generalkonferenz letzten Jahres mit einer Videobotschaft an die deutsche EmK-Öffentlichkeit wandten und ihre Trauer über deren Beschluss zum Ausdruck brachten, innerhalb von wenigen Wochen der Kirchenvorstand einen Beschluss fasste, sich der Generalkonferenz zu widersetzen (obwohl ja klar war, dass rein juristisch viele der Verschärfungen mit deutschem Recht unvereinbar waren, also sowieso eine Anpassung hätte stattfinden müssen, wie sie auch sonst nach Generalkonferenzen üblich ist) nun aber Monate, oder besser Jahre ins Land ziehen ohne dass konservative Geschwister ein ‚Gefäß‘ konservativer Verbund erhalten können und damit eine Chance, sich in diesen Umbruchszeiten als Konservative in der EmK wirklich beheimatet zu fühlen. (Eher liberal geprägte Geschwister dürfen ja auf die umfassenden geplanten „Kurskorrekturen“ hoffen, egal ob sie nun von der Generalkonferenz 2021 oder der deutschen Zentralkonferenz 2022 beschlossen werden.)

Wir fürchten, dass bei vielen der Eindruck entstehen könnte, dass die Genderproblematik durch Aussitzen oder aggressives Zuwarten gelöst werden soll: keine Entscheidung des Kirchenvorstandes und schon gar nicht der ZK, die ja nicht stattfindet, dann mögen zwar einige gehen, die mit dem zunehmend liberalen Kurs der EmK nicht einverstanden sind, aber die meisten werden der Einfachheit halber bleiben. Wahrscheinlich fühlen sie sich zunehmend unwohler, aber das ist nicht so wichtig.
Warum sind es gerade die konservativen Geschwister, die sich aus der Arbeit des Runden Tisches zurückziehen?

Deshalb möchten wir Sie dringend bitten, sich aktiv für eine baldige Ermöglichung eines konservativen Verbundes einzusetzen und zeitnah umfassende Informationen über dessen geplante Gestaltung in die EmK-Öffentlichkeit hinauszutragen. Denn die gründliche Information über den Verbund ist ja ebenfalls Teil der geplanten Maßnahmen des Runden Tisches und angesichts der Herausforderung, die deutschen Methodisten in ihren weit auseinander liegenden Überzeugungen zusammen zu halten, dringlicher denn je.

Für Verwurzelt in Christus
Dorothea Hinske

Kaiserslautern, den 22.06.2020

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