Antwort des Bischofs auf den Offenen Brief

Ihr Offener Brief vom 22. Juni 2020

Liebe Frau Hinske,

das einstimmige Ergebnis des Ringens am Runden Tisch hat mich – und viele andere – sehr erleichtert. Ohne das kräftige Wirken des Heiligen Geistes wäre es wohl nicht zu Stande gekommen. Binnen weniger Tage nach diesem Treffen des Runden Tischs wurde dies ausführlich in die EmK-Öffentlichkeit getragen. International hat diese Meldung Aufmerksamkeit erhalten und zu zahlreichen, ausnahmslos positiven Reaktionen aus aller Welt geführt. Ich bin sehr erleichtert und dankbar. Zugleich bin ich mir sehr bewusst, dass dieser Kompromiss auch Anlass ist, sehr demütig zu sein. Er ist fragil. Er hält fest, dass wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu Christi die Grenzen unseres Erkennens respektieren müssen und deshalb in diesen Fragen nicht eines Sinnes sind, wir jedoch tastend und fragend weiterhin mit einander und mit Christus unterwegs bleiben können und wollen.

Es beschwert mich, dass wir mit diesem für die Zukunft unserer Kirchen in Deutschland wichtigen Thema – wie auch mit einigen anderen sehr wichtigen Themen – durch die Verschiebung der Zentralkonferenz, die wegen der Verschiebung der Generalkonferenz zwingend geworden war, nicht so zügig zu Entscheidungen kommen, wie dies wünschenswert wäre. Leider!

Im März letzten Jahres habe ich wieder und wieder betont, dass das Wort des Kirchenvorstands zur Entscheidung der außerordentlichen Generalkonferenz kein abschließendes Wort ist, da die Entscheidung darüber der Zentralkonferenz vorbehalten ist. Für die Inkraftsetzung des Kompromisses des Runden Tischs gilt genau dasselbe. Auch hier kann nur die Zentralkonferenz verbindlich handeln.

Das Ergebnis des Runden Tischs besteht im Wesentlichen aus zwei auf einander bezogenen Teilen, die nur gemeinsamen den gefundenen Kompromiss darstellen: die Einrichtung eines „konservativen“ Verbunds und die Außerkraftsetzung der (wenigen) einschränkenden Bestimmungen der VLO zum Thema Homosexualität. Über dieses Gesamtpaket kann nur die Zentralkonferenz entscheiden.

Der Kirchenvorstand hat das Januar-Ergebnis des Runden Tischs mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis genommen, den darin beschriebenen Weg im Grundsatz einstimmig bestätigt und namentlich genannte Personen mit der Weiterarbeit an Details beauftragt. Ein klares und starkes Signal!

Die Arbeit des Runden Tischs ist noch nicht beendet. Die Abstimmung über den Namen des Verbunds war nicht einstimmig und braucht aus meiner Sicht noch eine Gesprächsrunde. Auch über die Theologischen Grundlagen des Verbundes hat der Runde Tisch noch nicht abschließend befunden. Beides soll bei einer Online-Sitzung am 17. Juli geklärt werden. Erst danach sind nicht nur die Richtung, sondern auch die erforderlichen Details klar, über die die Zentralkonferenz abstimmen kann. Ich gehe davon aus, dass der Kirchenvorstand eine klare Empfehlung an die Zentralkonferenz aussprechen wird.

Über all dies sind die Mitglieder des Runden Tisch informiert und sowohl in der Lage als auch „beauftragt“, Auskunft zu geben.

Gemeinsam mit Steffen Klug und Stephan von Twardowski, den beiden Berichterstattern des Runden Tischs, habe ich mich kürzlich darauf verständigt, zum jetzigen Zeitpunkt keine neuerliche Veröffentlichung zum Thema zu veranlassen, sondern damit bis nach der Sitzung am 17. Juli zu warten.

An Stelle der ursprünglich für November 2020 geplanten Tagung der Zentralkonferenz wird sich der Kirchenvorstand treffen. Für einen kompletten Sitzungstag hat der Kirchenvorstand die stimmberechtigten Mitglieder der Zentralkonferenz zum Gespräch eingeladen, um speziell über das Thema „Runder Tisch“ (und ein weiteres Top-Thema) ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise soll die Entscheidung der Zentralkonferenz (voraussichtlich Ende 2021) bestmöglich vorbereitet werden.

Soweit zum aktuellen Sachverhalt. Darüber hinaus will ich nicht verhehlen, dass mir der Ton, den Sie in Teilen Ihres Briefes anschlagen, missfällt. Er ist nicht getragen vom Geist des Vertrauens. Da ist wenig von Gemeinsamkeit zu spüren und wenig davon, dass Sie Ihrem Gegenüber zunächst Gutes unterstellen. Damit sind Sie weit weg von dem, was wir am Runden Tisch miteinander erlebt haben. Stattdessen lese ich in Ihrem Schreiben Vorwürfe und Unterstellungen. Es suggeriert unlautere Absichten gegenüber Geschwistern, die in den Fragen rund um Homosexualität eine konservative Sichtweise vertreten. Dies alles transportiert und befördert das Gegeneinander, wo wir mit aller Energie das Miteinander stärken wollen und dämpft die Freude auf eine gemeinsame Zukunft.

Ich meine, Ihnen diese ehrliche Rückmeldung schuldig zu sein. Ich verstehe mich als Bischof, der für alle Menschen in der EmK ein offenes Ohr und ein weites Herz hat. Mir ist sehr daran gelegen, dass unsere Kirche Heimat sein kann für Menschen mit unterschiedlichen geistlichen Erkenntnissen und Überzeugungen. Doch dazu braucht es gegenseitiges Vertrauen. Vertrauen zu gewinnen und zu stärken ist eine sehr große und herausfordernde Aufgabe für einen Einzelnen; es braucht die gemeinsame Anstrengung von denjenigen, die in unserer Kirche Leitungsverantwortung haben. Sie nehmen eine verantwortliche Position bei „Verwurzelt in Christus“ ein. Ihrer Worte haben Gewicht und Bedeutung. Sie können dazu beitragen, Vertrauen zu fördern oder aber Vertrauen zu untergraben. Ich möchte Sie dafür gewinnen, unser Miteinander zu stärken.

Mit herzlichen Grüßen,

Bischof Harald Rückert

24. Juni 2020

1 Kommentar zu „Antwort des Bischofs auf den Offenen Brief“

  1. In meinen Ohren kling es sehr nach . . .
    „niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“
    Ich habe den Eindruck, der „Tonfall“ ist die größte Sorge der Kirchenleitung. Ich befürchte, die Kirchenleitung wird sich den „Tonfall“ noch gefallen lassen müssen. Denn, die Agenda ist, denke ich, bei vielen inzwischen klar und deutlich angekommen.
    1. Die konservativen Ansichten sollen aus der neuen „bunten“ EmK der Zukunft, Stück für Stück aussortiert werden.
    2. Neubestimmung der inneren Strukturen und Regeln, „Handball und Fußball-Regeln“ sollen „vereint“ werden und in eine neue „Sportart“ vollständig aufgehen.

    Wären da nicht die massiven finanziellen Probleme, die durch den „Rauswurf“ der konservativen Bestandteile unweigerlich eintreten würden, wäre die EmK längst gespalten. Es wird am Ende wie immer, ums das Geld gestritten.
    Wie bei einer Ehescheidung . . . .

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