Wir haben noch viel zu schenken!

Die Jünger antworteten Jesus: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: sieben. Mk. 8, 4-5
Die Jünger Jesu waren mit ihrem Herrn und einer großen Menge Menschen schon seit Tagen in einer Wüste angelangt. Wüsten bieten keine ausreichende Möglichkeit zur Ernährung so vieler Menschen. Als sie hungrig wurden, sahen sich die Jünger vor dem Problem, wie man den Menschen eine entsprechende Mahlzeit anbieten könnte. Ihre Vorräte waren nicht einmal genug für eine kleine Gruppe. Und nun standen sie vor 4000 hungrigen Menschen, was der Einwohnerzahl einer Kleinstadt entspräche.
Die Situation wirkte aussichtslos und die Jünger wandten sich besorgt an den Herrn mit der Frage: Was sollen wir machen, wir haben so wenig?
Jünger Jesu befanden sich in der Geschichte oft vor ähnlich großen Herausforderungen. Auch sie fragten sich: Wie können wir so einer Menge Menschen in Not helfen, wenn wir so wenig haben? Solche Fragen bewegten auch einen jungen Christen und Geschäftsmann aus der Schweiz namens Henry Dunant. Während einer
Geschäftsreise wurde er Zeuge der erschreckenden Zustände nach einer Schlacht, wo er die vielen verwundeten und sterbenden Soldaten wahrnahm. Da stundenlang keinerlei Hilfe oder rasche Versorgung kam,
mussten viele von ihnen verbluten und an sonstigen Verletzungen sterben.
Dieses Erlebnis hat Dunant tief bewegt. Er entschied sich mit dem Wenigen, das er hatte, den leidenden Soldaten zu helfen. Diese Ausgangslage sah für Dunant genauso trostlos aus, wie bei den Jüngern
in der Wüste; aber durch seinen lebendigen Glauben an die Worte des Herrn Jesus Christus, wurde in wenigen Jahren eine Organisation gegründet, die bis heute bekannt ist für ihre diakonische Tätigkeit an
Millionen von Menschen: das internationale Rote Kreuz!
Wir befinden uns heute als Christen in einer unangenehmen Situation. Wir wissen, dass wir als Kirche Gott auf dieser Erde vertreten und sichtbar machen sollen. Bisher haben wir das auch durch unseren Einsatz oft getan: Wir laden Menschen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen ein, besuchen Kranke und Bedürftige, bieten
Gemeinschaft, setzen uns für soziale Gerechtigkeit ein usw. Und jetzt sieht es so aus, als ob wir wegen der aktuellen Pandemie mit fast leeren Händen vor der „hungernden“ Welt stünden.
Doch unser Auferstandener Herr bietet uns auch heute wie damals seinen Segen an: „Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das
Volk aus.“ Mk. 8, 6 Jesus kann auch unser „Weniges“ reichlich segnen und es für gute Zwecke nutzen. So können wir trotz der einschränkenden Maßnahmen vielen leidenden Menschen durch unsere Telefonate trösten, wir können für jemanden einkaufen gehen, unsere Gebetszeit verlängern oder einen versöhnlichen Brief an einen lang vernachlässigten Angehörigen oder Bekannten schreiben, oder man sucht nach neuen Ideen für die Zukunft der Gemeinde.
Diese scheinbar kleinen Aktivitäten können durch Gottes Segen viel Gutes bewirken und dadurch noch viele von unseren Mitmenschen „speisen“. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken
auf, sieben Körbe voll… Mk. 8, 8
In dieser hoffentlich nur noch kurzen Ausnahmezeit wünsche ich uns solch einen reichen Segen!
Ihr Pastor Vatroslav.

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