Ferne und Nahe

Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Epheserbrief 2, 13

Wir befinden uns in einer besonderen Zeit, einer Zeit, die seitens der Bundeskanzlerin als „die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet wird. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Grenzen dicht gemacht, alle Veranstaltungen und Versammlungen, also auch die Gottesdienste, untersagt. Der Auslöser dieses Ausnahmezustandes ist ein winziger Virus namens Corona.

Der Coronavirus tauchte schon Anfang des Jahres zuerst in einer chinesischen Provinz auf. In Europa erfuhr man durch die Medien von den besonders schwierigen Umständen, die diese neue Krankheit in Wuhan verursachte. Einige waren überrascht, manche hatten Mitleid mit den leidenden Menschen, viele aber dachten, dass es doch so fern von uns sei, und dadurch mit unserem täglichen Leben sehr wenig zu tun hätte.

Aber innerhalb weniger Wochen hat sich alles verändert: Schnell verbreitete sich die Krankheit in Europa. Es gab erste Todesfälle, und in kürzester Zeit erreichte die Seuche unser Land. Was noch vor kurzem so fern erschien, ist uns nun plötzlich ganz nah.

Der Bibeltext am Anfang dieses Briefes beschreibt ein anderes allerdings positives Beispiel für eine besondere Nähe nach jahrhundertelanger Ferne zwischen Gott und den Heiden. Der Schöpfer des Universums war außer für Israel für alle anderen Völker, zu denen auch die griechischen Epheser gehörten, total fremd und unbekannt. Gott war ferne von ihren Gedanken, Ritualen und von ihrem täglichen Leben.

Doch der Apostel verkündete der Gemeinde, dass durch Jesus dieser Gott jetzt sehr nahe zu ihnen gekommen sei. So nahe, dass er ihnen umsonst seine Versöhnung schenkte und unter ihnen wohnen wollte.

Liebe Geschwister!

Wir sind Zeugen, wie dieser Virus in unsere Nachbarschaft und unmittelbare Nähe gekommen ist. Deswegen richten wir uns nach den Anordnungen, die uns die zuständigen Behörden gegeben haben. Wir treffen uns nicht mehr sonntags zum Gottesdienst, verzichten auf Gemeinschaft und versuchen bei Kontakten Abstand zu halten.

Doch das bedeutet nicht, dass Gott uns ferne ist. Gerade solche Ausnahmesituationen bieten gute Möglichkeiten, uns unserem Gott zu nähern. Das bedeutet, dass wir durch längere Gebetszeiten verstärkt nach Antworten suchen und uns in dieser Passionszeit vielleicht mehr als sonst mit Andachten, Fasten und geistlicher Besinnung beschäftigen können. Zum Glück haben wir die Möglichkeit, telefonisch oder per Internet die so wichtigen Kontakte unter uns Gemeindegliedern zu pflegen. Auf diese Weise können wir, auch wenn wir zur Zeit physisch fern von einander sein müssen, unsere Gemeinschaft bewahren und Gottes Nähe auf neue und besondere Weise erfahren.

Amen

Ihr Pastor Vatroslav Zupancic

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