Wenn die Jahreslosung „zu Herzen“ geht

ICH GLAUBE; HILF MEINEN UNGLAUBEN

Die Jahreslosung für 2020 hört sich wie ein Widerspruch an. Im täglichen Leben gibt es viele Widersprüche.

Zum Beispiel sucht ein Arbeitsloser eine Anstellung. Er sucht lange und findet endlich einen Job. Doch dann gibt es für ihn plötzlich mehrere neue und gute Angebote.

Auch der berühmte Wissenschaftler Albert Einstein behauptete: „Wir wissen überhaupt nichts. Unser ganzes Wissen ist nur das Wissen der Schüler. Die wahre Natur der Dinge werden wir nie wissen“.

Obwohl das Christentum Ansichten und Werte offenbart, besitzt es in seiner Lehre auch viele  widersprüchliche Aussagen. Zum Beispiel behauptet Jesus an einer Stelle,  das christliches Leben sei leicht: Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht (Mat.11, 30). Doch wenige Kapitel vorher im selben Evangelium steht auch:  Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden (Mat 7, 14). So kann der Leser in einen Widerspruch geraten zwischen der Frage, ob das christliche Leben schwierig oder leicht ist. Genauso ist es auch mit der Aussage von dem Friedefürst – dass er nicht gekommen ist Frieden zu bringen, sondern das Schwert (Mat 10, 34). Doch durch richtige Auslegung der Heiligen Schrift können sich aber beide Aussagen als begründet und  wahrhaftig erweisen.

Dasselbe gilt für unseren Jahrestext aus Markus 9: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Hier handelt es sich um einen Aufschrei von einem gläubigen Juden, der sehr gut den überlieferten Glauben seines Volkes von seiner Kindheit an kannte. Die Lehren über Abraham, Mose und die Propheten waren ihm bekannt, und jeden Samstag sang er das jüdisches Glaubensbekenntnis: Schema Israel-Höre o Israel!! Zusätzlich sah er in  Jesus einen Gesandten  von Gott – deshalb sein  Aufschrei: Herr[1], ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Man kann behaupten, dass dieser Mann einen richtigen Glauben besaß. Doch sein Glaube war an erster Stelle eine rationale, theologische Gewissheit und befand sich mehr in seinen Kopf als in seinem Herzen. Plötzlich aber kam in sein Leben eine Wende; eine Situation, die ihn an seine Grenzen brachte. Diesen Moment der Krise nennt die Bibel  auch als Anfechtung: eine Schwierigkeit, die Menschen  mit eigenen Kräften und Wissen kaum überstehen können.

Der Apostel Jakobus schrieb an frühe Christen: Erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt. (Jak. 1, 2)

Mit anderen Worten: Es ist sicher, dass an Jesus glaubende Menschen durch viele Schwierigkeiten und  Probleme gehen müssen. Diese sollen ihren Glauben auf die Probe stellen. Solche Tests bringen sie zu einem Ziel: zu vertieftem  Glauben und mehr Liebe und Nähe zu Gott und zu ihren Mittmenschen.

Wir heutigen Christen besitzen auch öfters viel von rationalem Glauben und solcher Gewissheit. Wir kennen unsere Glaubensbekenntnisse, Lieder und  auch vieles aus der Theologie, doch oft geraten wir auch in tiefe Krisen, wo unser Glauben in praktischem Leben getestet werden soll.

Wenn auch Sie, liebes Gemeindeglied und Leser, dringende Probleme haben und schwer glauben können, dass Gott ihre Anliegen erfüllen wird, dürfen Sie dem  Jahreslosungstext persönlich nehmen und danach beten. Gespannt können Sie erwarten, wie Gott auch heute in Ihrem Leben wirken kann.

Solche Gebetsaufrufe aus menschlicher Verzweiflung bewegen Gott besonders – und Jesus wird sich auch in Deinem Fall als ein mächtiger Erlöser zeigen.


[1] Steht in Originaltext

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