Des Königs würdig leben

Von Adolf Schlatter. Aus: „Kennen wir Jesus Ein Gang durch ein Jahr im Gespräch mit Ihm“? Nördlingen 1937

Die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und sammelten alle, die sie fanden, Böse und Gute, und der Hochzeitssaal wurde von solchen voll, die am Tische lagen. Da trat der König ein, um die zu sehen, die am Tische lagen, und er sah dort einen Menschen, der kein hochzeitli­ches Gewand trug. Und er sagt zu ihm: Mann, wie kommst du hierher, obwohl du kein hochzeitliches Gewand hast? Er aber verstummte. Da sagte der König zu den Dienern: Bindet ihn an den Händen und Füßen, und bringt ihn in die Finsternis hinaus, die draußen ist. Dort wird das Weinen und das Klappern der Zähne sein. Matth. 22, 11-13.

Die Jünger nahmen ein warnendes Wort Jesu mit sich, als sie in die Ferne zogen, sich an alle wandten und jedem die große Ver­heißung sagten. Damit handelten sie so, wie Jesus es ihnen befoh­len hatte, als er vom kommenden Feste Gottes sprach:

Nachdem er Jerusalem vergeblich zu seiner Hochzeitsfeier geladen hat, ru­fen seine Boten jeden, der kommen will, mag er gut oder böse sein. Aber damit ist keinem gestattet, daß er den König mißachte und sein Fest störe, indem er sich ohne ein festliches Kleid an den Tisch des Königs setzt. Dann gehörte er nicht zu der mit dem König feiernden Schar; das Gefängnis ist sein Ort.

Damit hat Jesus das Seine getan, damit das Reinste und Größ­te, was er hat und gibt, uns nicht zur Verführung werde. Reine Güte, die uns ihre Gabe ohne Bedingungen anbietet, freie Gna­de, die nicht nach dem fragt, was wir selber sind, Liebe, die sich hingibt, weil sie liebt, immer ist sie für uns Menschen eine Ge­fahr. Gestattet sie uns nicht, zu bleiben, was wir sind? Ist sie nicht die Bestätigung unserer Eigensucht, das erwünschte Mittel, das uns in unserer falschen Sucht unterstützt?

Offenkundig ist das, was Jesus verheißt, begehrenswert: Seligkeit, Freiheit, Hei­lung der inwendigen Pein, Zugang zum ewigen Leben, wer hört dies nicht gern? Wer möchte nicht mitfeiern, wenn der König feiert, und was hindert uns daran, da er jeden ruft und nichts von uns verlangt?

Damit ist aber die Absicht der Güte verkannt, deren Ziel ist, daß sie uns in die Umkehr führt. Sie wird uns nicht deshalb erwie­sen, damit wir bleiben, was wir sind, sondern ihre Ladung ruft uns aus unserem Treiben heraus und macht uns von unserem Begeh­ren los. Denn der König bleibt, auch wenn er in seiner Gnade sein Fest für alle öffnet, der König, und sein Fest dient seiner Verherr­lichung, auch wenn es uns mit großer Seligkeit beschenkt.

Die Gemeinschaft der mit ihm Feiernden ist nicht der Ort, an dem wir unsere Mißachtung Gottes ausstellen können und unseren Wider­willen gegen sein Gebot zur Geltung bringen dürfen. Ohne unsere Mitwirkung kommt Gottes Gnade zu uns und gibt sich jedem, der ihr glaubt.
Wer ihr aber glaubt, der erkennt ihre Größe und schätzt ihren Wert; denn er weiß, daß sie Gottes Gnade ist. Er kann nicht tun, als ob sie ihn nicht weiter in Anspruch nähme, wie wenn sie eine geringfügige Kleinigkeit und Zugabe wäre, die ihn nur nebenbei beschäftigte.

Die empfangene Gnade verpflichtet: „Du bist Gast bei Gottes Fest, durch das er den Christus verherr­licht“ – das ist nun das Ziel, zu dem sich das Leben wendet, dem sich alles unterordnet, damit unser Verhalten unserer Berufung würdig sei.

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