Mit der Kraft des Heiligen Geistes auf schmalen Wegen und durch enge Pforten


Matthäus 7, 12 – 14 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!

Das ist ein Thema, das in der europäischen Christenheit im allgemeinen und im real existierenden deutschen Methodismus kaum mehr vorkommt. Ich weiß nicht, ob ich selber jemals darüber gepredigt habe; denn die Verse aus der Bergpredigt stellen ja auch mich infrage.

Es geht oft nur noch um ein Wohlfühlevangelium. Thema landauf landab ist die Liebe Gottes. Oder es heißt: „Das Kreuz Jesu bedeutet: Gott sagt JA zu dir.“

Dabei wird unterschlagen: Das Kreuz Jesu sagt zwar JA zu uns Sündern, aber es sagt ebenso energisch NEIN zu unseren Sünden. Das ist der Unterschied zwischen Bibel und Koran: „Gott kann die Bösen doch nicht lieben“, hat mal ein Muslim zu mir gesagt.

Doch, unbegreiflich, aber wahr: Der lebendige Gott kann. Gott sagt zwar Nein zur Sünde, aber Ja zum Sünder. Der heilige Gott haßt die Sünde, aber ER liebt die Sünder. Deswegen gehöre ich zu denen, die es nicht gutheißen können, bekennende Gleichgeschlechtliche zu diffamieren, so wie Gesellschaft und Kirche es bis vor kurzem in pharisäerhafter Weise  getan haben. Aber genauso wenig kann ich den Trend unterstützen, homosexuelle Praktiken „salonfähig“ zu machen.

Und was die Liebe Gottes anbelangt: Die Liebe Gottes zementiert nicht den Status quo. Sie äußert sich als Ruf zur Umkehr, als dringliche Einladung zur Heimkehr in die Gottesgemeinschaft. Diese Gemeinschaft mit dem hlg. Gott setzt aber Vergebung voraus, und die wiederum ist gebunden an das auf Golgatha für uns vergossene Blut des Gottessohnes. Werden diese Hintergründe verschwiegen, dann bleibt nur das gemütliche Wischiwaschi von Friede-Freude-Eierkuchen.

Enge Pforte bedeutet: Es gibt keine Gnade ohne Gericht. M. a. W.: Buße ist vorweggenommenes Gericht. Wer umkehrt, gibt Gott Recht und sich selber Unrecht. Der nordafrikanische Kirchenvater Aurelius Augustinus von Thagaste <354 -430> warf den Philosophen mit Recht vor: „Sie kennen nicht die Tränen der Beichte.“ Zu den Geburtsschmerzen der neuen Geburt gehört das Sünden-Bekenntnis: „Ich habe….“ und das erste laute persönliche Gebet.

Soviel zur Engen Pforte. Wenn sie durchschritten ist, beginnt der Schmale Weg. Ich bin dankbar, einen Vater gehabt zu haben, der sowohl durch die enge Pforte gegangen ist als auch den schmalen Weg beschritten hat.

Der schmale Weg ist nun allerdings kein Weg programmierter Freudlosigkeit und besteht gewiß nicht nur aus Verboten. Wohl aber unterscheidet sich der Lebensstil eines Bekehrten von dem eines Unbekehrten. Der Wiedergeborene kann nicht „alles mitmachen“. Je und dann gilt es, Nein zu sagen um Jesu willen. Verzicht ist Selbstverleugnung. Manchmal erwartet Jesus von den Seinen auch Opfer. Ermöglicht wird der neue Lebenszuschnitt durch die Kraft des Heiligen Geistes. Und damit sind wir bei dem Pfingstgeschehen!

Hans Jakob Reimers am 4. Juni 2019

1 Kommentar zu „Mit der Kraft des Heiligen Geistes auf schmalen Wegen und durch enge Pforten“

  1. Klaus Bratengeier

    Lieber Herr Reimer,

    Ihre Unterscheidung von Sünde und Sünder ist sicher ein wichtiger Punkt und ich achte Menschen hoch, die eine solche Unterscheidung treffen wollen und können.
    Ich denke aber, hier ist eine andere Unterscheidung angebracht, nämlich die, ob es um einen Umgang zwischen Menschen geht, die sich gegenseitig Leid zufügen, wie es bei egomanischen und durch Dominanzverhalten verdorbene Sexualpraktiken der Fall sein kann (Sünde), oder ob es sich bei Partnerschaften homosexuell empfindender Menschen darum geht, dass Menschen lebenslang Verantwortung füreinander übernehmen wollen (keine Sünde). Gerade in der von Ihnen zitierten Passage des Matthäusevangeliums geht es im Folgetext Mt. 7, 16—20 um die sichtbaren, klar erkennbaren Folgen („Früchte“) eines bösen Handelns. So kann man schlimme Formen ausgelebter Sexualität und gute Formen durchaus unterscheiden. Letzteres habe ich mehrfach vor Augen. Gerade Menschen, die den Weg einer Partnerschaft beschreiten wollen, wählen eben nicht den billigen, breiten Weg der Beliebigkeit, sondern den teuren, schmalen, beschwerlichen. Es geht auch nicht um billige „Liebe“, sondern um etwas ausgesprochen Ernsthaftes.
    Ich fände es daher angemessen, wenn Sie in Ihrem ansonsten interessanten Artikel nicht von „*der* Homosexualität“ reden würden – ebenso wenig wie wir das im Blick auf die Sexualität allgemein tun sollten. Sagen Sie doch einfach, welche Ausformung Sie meinen und zu welchen guten oder schlechten Früchten dies nach Ihrer Beobachtung führt. Ich meine jedenfalls, gute Früchte beobachten zu können, wenn ich sehe, wie sich homosexuelle Paare in meinem Bekanntenkreis verhalten und was sie bewirken. Inzwischen konnte ich da schon einige Erfahrungen sammeln, obwohl sich homosexuelle Paare ja bisher meistens verstecken mussten.
    Herzliche Grüße
    Klaus Bratengeier

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.