Evangelikale Bewegung heißt LGBTQ+ – Menschen willkommen

LGBTQ+* Menschen sind in der Evangelisch-Methodistischen Kirche willkommen – von Keith Boyette. Leiter der WCA

[Die Wesleyan Covenant Association ist ein Bündnis geisterfüllter orthodoxer Kirchen und einzelner Glieder, das sich der Wesleyanischen Theologie verbunden weiß. Sein Ziel ist es Pastoren, Laien, ganze Gemeinden, Regionen und Bischöfe zu verbinden und zu ermutigen: • Wir stellen uns unter die Autorität der Schrift und unter die Herrschaft Jesu Christi
• Wir schaffen eine einheitliche Antwort auf die Empfehlung der Kommission der Bischöfe und behalten orthodoxen methodistischen Glauben bei.
• Wir entwickeln einen Plan für eine positive und hoffnungsvolle Zukunft. ]

Keith Boyette

(Übersetzung Dorothea Hinske)

Bei der weltweiten legislativen Versammlung im November 2018 hat die Wesleyan Covenant Association eine Erklärung verfasst mit dem Angebot radikaler Gastfreundschaft und echter Gemeinschaft. In dieser Erklärung heißt es: „Wir sehnen uns nach und arbeiten für eine Kirche, die allen Personen radikale Gastfreundschaft und echte Gemeinschaft anbietet. Während wir die orthodoxe biblische Sicht in Bezug auf Sexualität und Gender bekräftigen, laden wir genauso alle Menschen zu der erlösenden Gnade Jesu ein. Wir verpflichten uns ein Ort der Zuflucht und der Gemeinschaft zu sein für alle, die Zerbrochenheit erfahren.“

Diese Erklärung stimmt mit dem überein, wofür die EmK seit mehr als 45 Jahren einsteht. Die sozialen Grundsätze der EmK angenommen und wiederholt bestätigt, erklären: „Wir bejahen, dass alle Menschen von heiligem Wert und nach dem Bilde Gottes geschaffen sind.“ Die sozialen Grundsätze stellen ebenfalls fest, „Wir bekräftigen, dass Gottes Gnade allen Menschen gilt. Wir wollen darum in christlicher Gemeinschaft zusammenleben und einander willkommen heißen, vergeben und lieben, so wie auch Christus uns geliebt und angenommen hat. Wir flehen Familien und Gemeinden an, lesbische und schwule Kirchenglieder und Personen aus dem Freundeskreis nicht abzulehnen oder zu verurteilen. Wir verpflichten uns zum Dienst an und mit allen Menschen.“ Der WCA ist gänzlich dazu entschlossen die Wahrheit dieser Grundsätze auszuleben.

Leider haben in den Nachwirkungen der außerordentlichen Generalkonferenz 2019 einige bedeutende Presseveröffentlichungen und sogar einige Leiter der EmK der Öffentlichkeit den unfairen Eindruck vermittelt, dass unsere Kirche hinter diese Aussagen zurückgegangen sei. Das tat sie mit Sicherheit nicht! Die EmK bleibt fest bei ihrer Überzeugung, „dass alle Menschen [auch LGBTQ+ Personen] von heiligem Wert und nach dem Bilde Gottes geschaffen sind.“ Sie ist davon überzeugt, dass Gottes Gnade allen gilt.“ Und sie bleibt entschlossen LGBTQ+ Personen völlig in das Leben der Kirche einzuladen. Der WCA bestätigt diese Aussagen der EmK und erwartet von seinen Mitgliedern diese ebenfalls anzunehmen.

Aber mit einem rhetorischen Trick sagen nun einige Progressive, dass die EmK glaube, LGBTQ+ Personen seien „unvereinbar“ mit christlicher Lehre und noch schlimmer unvereinbar mit Gott. Diese Behauptungen sind falsch, schädlich und im Gegensatz zu den Aussagen der VLO. Einige andere, die es besser wissen müssten, behaupten die außerordentliche GK habe Gesetze angenommen, die LGBTQ+ Personen und die, die sich für sie stark machen, ausschließe – wieder falsch und schädlich. Die verabschiedeten Gesetze verlangen lediglich, dass die, die ein Versprechen abgegeben haben, die Lehre und Politik der EmK  Aufrecht zu erhalten, dies auch tun.

Seit 2000 Jahren hat die universelle Kirche Sexualethik und die Lehre über Ehe bekräftigt, die in der Schrift und der christlichen Tradition gegründet sind. Die römisch katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, ein Großteil der anglikanischen Kirchen und ein überaus großer Teil der Protestantischen Denominationen bestätigen diese Standards weiterhin. Die EmK  (wie alle Denominationen in der methodistischen Familie) tut es ebenfalls. Und sie tut es basierend auf dem Schriftverständnis und den Lehren der universalen Kirche zu allen Zeiten und an allen Orten. Kirchen der EmK sind dazu gerufen voll Gnade und voll Wahrheit zu sein. Wahrheit soll in Liebe ausgesprochen werden, indem sie die biblische Botschaft in allen Bereichen unseres Lebens deutlich macht, was auch die sexuelle Intimität einschließt, die nur in der Ehe zwischen Mann und Frau ihren Ausdruck findet.

Die EmK hat sich also in Weisheit der Mehrheit der Christen darin angeschlossen anzuerkennen, dass die Kirche über viele Jahrhunderte hinweg die Misshandlung von LGBTQ+ Personen gebilligt und im schlimmsten Falle sogar dazu angestiftet hat. Das sind Sünden, die die Kirche bekennen muss und für die sie Buße tun muss. Sie erinnern uns ständig daran den heiligen Wert jedes Menschen zu bekräftigen, andere nicht zu verurteilen, und gerade LGBTQ+ Personen ein besonders herzliches Willkommen entgegenzubringen. Denn sie wurden nicht nur an den Rand gedrängt, sondern auch misshandelt. Der WCA erkennt bereitwillig an, dass noch genug Arbeit vor uns liegt, um sicher zu stellen, dass alle Ortsgemeinden tatsächlich ein Ort sind, an dem LGBTQ+ Personen und ihre Familien willkommen sind. Wir verpflichten uns die Kirche zu einem Ort der Zuflucht und des Wohlergehens zu machen, auf dass das ganze Gottes Volk aufblühe.

Das macht es umso bedauernswerter, dass unsre US-Bischöffe versagt haben klar festzustellen, was die außerordentliche GK tatsächlich in St. Louis tat. EmK Delegierte aus der ganzen Welt haben ein Gesetz verabschiedet, um die gute Ordnung unsrer Kirche wieder herzustellen und die Pastorenschaft gegenüber den theologischen und ethischen Standards zur Rechenschaft zu ziehen; Standards, die immer wieder bestätigt wurden. Doch statt dies klar zu stellen, haben einige unserer Bischöfe die Prinzipien unsrer weithin gemeinsamen christlichen Sexualethik und die Lehre über Ehe vermischt mit einer angeblichen Feindschaft gegenüber LGBTQ+ Personen und deren Anwälten. Ihre Fehldarstellung der außerordentlichen GK der EmK hat größere Teilung in den Leib Christi gesät, den Dienst der Kirche unterminiert und LGBTQ+ Personen verletzt.

Seit Jahrzehnten waren orthodoxe, evangelikale Methodisten bereit sich in Gesprächen über die Sexualethik der Kirche, ihre Lehre über Ehe und ihre Ordinationsstandards zu beteiligen. Sie haben ebenfalls das Recht der Methodisten anerkannt zu versuchen die Lehre der Kirche durch die Arbeit der Generalkonferenz zu ändern. Aber sie haben sich zu Recht geweigert, die Kirche zu zwingen ein Programm durch kirchliche Verweigerung anzunehmen. [Indem Einzelne, bzw. ganze Konferenzen Fakten schufen, d.h. LGBTQ+ Personen trauten, bzw. ordinierten. Anm. des Übersetzers.] Deshalb ist es sehr entmutigend zu hören, dass Bischöfe und führende Pastoren die Arbeit der außerordentlichen GK unfairer Weise so darstellen als untergrabe sie den festen Glauben der EmK in den heiligen Wert von LGBTQ+ Personen. Sie wissen, oder sie sollten wissen, dass dies nicht wahr ist.

Die WCA heißt LGBTQ+ Personen, ihre Familien und ihre Verbündeten willkommen am Leben der Kirche teilzunehmen. Viele LGBTQ+ Personen feiern regelmäßig mit uns jedes Wochenende Gottesdienste, und wir hoffen und beten, dass sie dies weiterhin tun werden. Wir fordern sie auf, dass sie die falschen Erzählungen ablehnen, dass ein bedeutender Unterschied in unsrer Sexualethik und der Lehre über Ehe notwendigerweise eine Ablehnung ihrer Personen beinhaltet. Wir akzeptieren diese Berichte nicht; wir werden weiterhin LGBTQ+ Personen willkommen heißen und uns nach ihnen ausstrecken, trotz unserer Unterschiede. Wir werden uns weiterhin für eine Kirche einsetzen, die radikale Gastfreundschaft und eine Gemeinschaft für alle anbietet. Und wir streben danach ein Ort der Zuflucht zu sein für alle, die Zerbrochenheit erfahren haben.

Hier geht es zum Originalbeitrag.

*LGBTQ+ ist im Englischen und vermehrt auch im Deutschen die gebräuchliche Bezeichnung für lesbian, gay, bi, trans, queer/questioning, also lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, schräg/fragend. Insbesondere der letzte Buchstabe versucht weitere sexuelle Orientierungen zu umfassen. Um eine endlos weitere Buchstabenkette zu umgehen (I = intersexuell, A = asexuell), denn nach dem Selbstverständnis ist sexuelle Orientierung keine abgeschlossene Sache, wurde + eingeführt. Die in deutschen EmK Kreisen übliche Beschränkung auf den Begriff „homosexuell“ stellt m.E. eine starke Vereinfachung und Verkürzung dar.