Sonntag „Lätare“ – Freude mitten in schwierigen Zeiten

Wir befinden uns Genau in der  Hälfte der Passionszeit – einer Zeit der Besinnung und Selbstprüfung vor Gott – gekennzeichnet mit  Gebet, Fasten und Umkehr. Trotz der Tatsache, dass diese geistliche Disziplinen Elemente der Ernsthaftigkeit trägt, fand die Kirchenliturgie diesen Sonntag als Lätare : Fest der Freude : in der lateinischen Übersetzung des biblischen Textes des Propheten Jesaja von  Freue dich Jerusalem (Jesaja 66:10).

Der fröhliche und tröstliche Charakter dieses Feiertags kommt von der Tatsache, dass die Zeit der Trauer zu Ende geht und Ostern naht – das größte christliche Fest -, das neue Hoffnungen und Lebensfreude weckt.

 Es ist genau diese Art von Hoffnung und Trost von Gläubigen in schwierigen und unruhigen Zeiten, die thematisch in den biblischen Lesungen enthalten sind.

Im dem  zweiten Buch der Chronik Kapitel 36 sehen wir eine traurige Situation, in der sich Gottes auserwähltes Volk befand. Der Autor beschreibt die Dekadenz in der sich die höchsten  politischer Obrigkeiten und Behörden befanden. Noch schlimmer war, dass auch die  religiöse Elite der geistige Vorstand (diejenigen, die ein Vorbild in ethisches Sachen  für die Menschen sein sollten) auch nicht besser waren -sie versündigten sich noch mehr mit all den gräulichen Sitten der Heiden (36:14). Das Tempel des Herrn in Jerusalem war  verachtet, und das Volk war ohne klarer Vision und Hoffnung.

Die Kritik des frommen Propheten war zum Spott ausgesetzt. Deshalb endet als Folge solcher Zustand auch der  erste Teil dieses Textes sehr dramatisch:  – Gottes Zorn hat sich durch das chaldäische Schwert manifestiert. Das gesamte Volk wurde ausgeraubt, eingesperrt und aus seiner Heimat weggebracht. Es schien keine Heilung für das Volk Gottes  mehr zu geben (Vers16). Das Wort Keine Heilung  ist in Hebräischen:  מַרְפֵּא (marpai, marpei) – und bedeutet wörtlich übersetzt: „ohne Möglichkeit zur Heilung“,  oder mit anderen Worten: es gibt keine sozialen Reformen, Kräfte oder politischen Programme, die diese Situation  verbessern könnten.

Ähnliche soziale Beschreibungen finden wir auch in Neuen Testament. Der Apostel Paulus wandte sich ein halbes Jahrtausend später an die kirchliche Gemeinschaft in Ephesus, wo er in seinem Epistel in Beginn des zweiten Kapitels die  Gesellschaft als  Körperlustige  und Egoistische beschreibt . Als Ergebnis Paulus verwendet auch  Worte der  Verurteilung, die letztendlich für die damaligen Zeitgenossen ebenso wie für die Israelis vor einigen Jahrhunderten dramatische Folgen hatte.

Bei einer Analyse von heutigen Ereignissen aus der Sicht von Theologie und geistigen Wissenschaften kann man nicht einfach behaupten, das wir uns in besserer Lage  befinden, in Gegenteil: Man braucht nur ein Blick in die Medien zu nehmen,  wo man  sehr leicht  eine gleiche  Diagnose stellen kann. Trotz aller technologischen, medizinischen und sozialen Errungenschaften und Erfolge befindet sich unsere globalisierte Welt in großen Schwierigkeiten. Gier, Korruption, wachsende Kriminalität und mangelnde Gerechtigkeit sind ein tägliches Ereignis. Ungerechtigkeiten und Hoffnungslosigkeit häufen sich auch in  traditionellen christlichen Ländern und sogar Kirchen. Man redet zwar viel durch Parolen wie: mehr Gerechtigkeit, Frieden, Einheit und Liebe; aber die Tatsachen sind ganz anders. Wir befinden uns in einer Zeit die einige Sozialwissenschaftler als Party auf der Titanic beschreiben- vor dem Schiffbruch.

Am Ende haben aber haben auch die  benannten Texte eine rettende Wende. Der Autor der Chronik und der Apostel Paulus verwenden das Wort ABER, um zu betonen, dass Gott sich selber einsetzt, um diese  Umstände zu ändern.

Das Alte Testament beschreibt  diese Hoffnung durch den Propheten Jeremias, in dem er  sagt,  dass Jerusalem und der Tempel wiederhergestellt wird und dass die Rückkehr der Israeliten absehbar ist. Auch Paulus spricht von Gott der an Gnade, der aus seiner großen Liebe eine neue Lösung gibt –  eine Lösung, die nicht aus menschlichen Werk-Ideen oder Projekten kommt.

Gott gibt der verlorenen Menschheit und einer schwerkranken Gesellschaft ein Heilmittel: Er sendet seinen Sohn Jesus, um durch ihn die Welt zu retten. Jesus übernimmt durch sein Leid und  Tod auf dem Kreuz  dem  Zorn Gottes und bezahlt so für unsere Sünden. Das ist auch der Mittelpunkt der Passionszeit. Er tut das aus seiner außerordentlich großer Liebe und Barmherzigkeit.  Er bietet jetzt eine  Versöhnung, durch Buße und Bekehrung von Bösen. Eine Versöhnung die durch Auferstehung Jesu – die auch eine  ewige Dimension hat.

Daher können wir Gläubige uns, auch  mitten in der manchmal trüber Passionszeit,  freuen und hoffen, dass der Herr der Kirche uns  auch  neue Stärke, Mut und Freude geben kann.

Vatroslav Župančić