„Musterbeispiel“ für gelebte Demokratie in der EmK Deutschland?

Verstehen wir uns nicht häufig als diejenigen, die in der Welt für die westliche Demokratie eintreten wollen? – Mir erscheint es so, dass eine demokratische Entscheidung der Weltkonferenz ignoriert wird und damit demokratische Prozesse insgesamt in Frage gestellt werden.

Was ist passiert:

Seit über 40 Jahren ist die United Methodist Church belastet durch tiefgreifende Differenzen zum Thema der Homosexualität, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und Ordination von Geistlichen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben. Eine Bischofskommission wurde eingesetzt, die den Auftrag hatte für die Kirche einen „Ein Weg in die Zukunft“ zu suchen. Die Kommission erarbeitete drei Entwürfe, über die auf einer außerordentlichen Generalkonferenz der UMC vom 23. bis 26. Februar 2019 von 864 Delegierten gebetet, beraten und beschlossen werden sollte. Vorbereitet wurde diese Konferenz durch intensives Gebet auf verschiedenen Ebenen teilweise verbunden auch mit Fasten. Hierzu hat Bischof Harald Rückert engagiert eingeladen.

Am 18. Februar schrieb Bischof Rückert in »unterwegs«: „jetzt ist es an der Zeit, all unser Reden und Ringen aus der Hand zu geben. Es ist an der Zeit, unser Planen und Sorgen, Kämpfen und Werben beiseite zu legen. Es ist Zeit, unsere unruhigen Gedanken und aufgewühlten Gefühle loszulassen. Es ist Zeit, uns selbst und unsere Kirche Gott zu überlassen. Es ist Zeit, zu vertrauen.“

Am 23. Februar wurde auf der Konferenz nochmals als Vorbereitung auf die Entscheidung den ganzen Tag lang gebetet, in der Zeit danach wurde intensiv beraten und am 26. Februar wurde abschließend abgestimmt.

Der sogenannte »Traditional Plan«, bei dem in der Frage der Ordinationspraxis, dem Eheverständnis und in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare die bisherige Ordnung der Kirche bewahrt bleiben soll, erhält eine deutliche Mehrheit von 438 gegen 384 Stimmen.

Plötzlich ist die so geistlich vorgetragene Haltung der Verfechter des One-Church-Plans verschwunden. Das was hier bei der Abstimmung als Ergebnis herauskam, kann, trotz anhaltendem Gebet um den richtigen Weg, unmöglich Gottes Wille für den Weg in die Zukunft der UMC sein, entspricht es doch nicht der in den USA und auch in Deutschland mehrheitlich favorisierten Lösung des „One Church Plans“. Der Widerstand hierzu zeichnete sich schon deutlich ab in den ersten Stellungnahmen unseres Bischofs nach der Generalkonferenz und wurde jetzt Ergebnis der Tagung des Kirchenvorstandes unserer Kirche am 9. März 2019 in Fulda.

Verbunden mit der Worthülse, dass „demokratisch getroffene Entscheidungen“ zu achten sind, kommt man zu genau dem entgegengesetzten Ergebnis: »Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.« Deshalb gehe die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland »den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit«. Natürlich alles nur, um die Einheit zu bewahren.

Hier wird die „Einheit“ auf den Thron gesetzt, der nur Gott gebührt. Es wird nicht mehr danach gefragt, welches ist der Weg der Gott gefällt, – dieses Beten hat ja offensichtlich in die vermeintlich falsche Richtung geführt- sondern es wird nur noch danach gefragt, welches ist der Weg, der der Einheit gefällt. Und dieses kann aus Sicht des Kirchenvorstandes nur der sein, durch den wir „eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können.“ Also genau der unterlegene „One-Church-Plan“, der auf der Generalkonferenz abgelehnt wurde. Welch eine ungeistliche und undemokratische Überheblichkeit! Für mich stellen sich zwei fundamentale Fragen: 1. Wo ist hier das Vertrauen geblieben in Gottes Handeln und Führung für unsere Kirche, das Bischof Rückert noch am 18. Februar eingefordert hat? 2. Wo sind unsere demokratischen Grundprinzipien geblieben, auf die wir, zu Recht, so stolz sind und die wir aller Welt ans Herz legen?

Bei aller Emotionalität ist es an der Zeit, zurückzufinden zu der demokratischen Grundhaltung, die Grundlage für eine echte Gemeinsamkeit sein kann.

Gunter Wirth

1 Kommentar zu „„Musterbeispiel“ für gelebte Demokratie in der EmK Deutschland?“

  1. Demokratie ist die beste Regierungsform trotz mancher Nachteile, die sie hat. Demokratie soll verhindern, dass ein Machthaber oder eine Gruppe von Mächtigen die Gesellschaft unterdrückt. Demokratie kann aber auch versagen.
    Es sind in der Geschichte auf demokratischem Weg auch schon Nichtdemokraten an die Macht gekommen.
    Wir selbst als Christen und Methodisten leisten unter Umständen dem demokratischen Staat Widerstand, z.B. durch Gewährung von Kirchenasyl, wenn wir Menschenrechte verletzt sehen.
    Im Falle der GK Entscheidung gibt es allerdings einige Fragezeichen was den demokratischen Prozess betrifft.
    Die Entstehung des „Traditional Plan“, der ursprünglich nicht in der Commission on a Way Forward eingebracht worden war, sondern nachgeschoben von einer kleine Gruppe, zu einem sehr späten Zeitpunkt, kurz vor Ende der Arbeit der Commission.
    Trotz der Unfertigkeit des Planes und erheblich verfassungsrechtlicher Bedenken wurde er aus Gründen der Fairness mit in die Generalkonferenz eingebracht. Das war, meiner persönlichen Ansicht nach, ein Fehler.
    Auch nach der Mehrheitsentscheidung ist er verfassungswidrig und es ist zweifelhaft, ob er so bestehen bleiben kann.
    Gravierender aber noch ist die Tatsache, dass der Plan selbst zutiefst undemokratisch und rechtlich fragwürdig ist. Er erstellt ein Beobachtung-, Kontroll- und Strafverfolgungssystem ausschließlich in der Frage der Haltung zur Homosexualität, andere mögliche Vergehen werden nicht so streng behandelt. Es werden nur für diesen Bereich verpflichtend harte Mindeststrafen eingeführt.
    Die Stoßrichtung ist unzweideutig die Abtrennung von nichtkonformen Personen, Hauptamtlichen, Gemeinden und Jährlichen Konferenzen von der EmK. Und dass nur auf Grund einer singulären nichtzentralen, ethisch-praktischen Frage, obwohl in den anderen viel wichtigeren Aspekten des Glaubens Gemeinsamkeit besteht.
    Der One-Church Plan hätte unterschiedliches Überzeugungen zugelassen ohne zu verurteilen. Der Traditional Plan verurteilt, verdammt und schließt aus, Das ist für mich nicht demokratisch, zumal unsere innerkirchliche Demokratie auch noch von der Liebe Christi geprägt sein sollte.

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