Passionszeit: Wo sind die Schimmel-Ecken?

Reinigt euch also! Entfernt den alten Sauerteig, damit ihr wieder ein frischer, ungesäuerter Teig seid! Denn das seid ihr doch, seit Christus als unser Passahlamm geopfert wurde. Lasst uns darum auch entsprechend feiern: nicht mit Brot aus dem alten Sauerteig der Sünde und Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Brot der Reinheit und Rechtschaffenheit. 1.Kor 5, 7+8

Mehr als eine Kehrwoche

Wir befinden uns in der Passionszeit. Es sollte eine  besinnliche Vorbereitung vor dem größtem christlichen Fest, dem Osterfest, sein.

In den ersten Jahrhunderten des Christentums  wurde Ostern in derselben Zeit wie das jüdische Passahfestes gefeiert. Die traditionellen jüdischen Symbole wurden durch die Erwähnung des Todes, des Leidens und der Auferstehung von Jesus Christus als letztem Lamm Gottes bereichert.

Es ist auch interessant, wie Christen auch die  biblische Symbolik vor des Passahfestes in ihrer Liturgie übernahmen:

Die Israeliten sollten vor dem Passah  einen Befehl folgen, der von ihnen forderte, „das ganzes Haus zu reinigen“. Bei dieser Gelegenheit sollten die Häuser der Israeliten von aller Hefe, Sauerteig, und (Chametz) gereinigt werden – eigentlich von allen Sauerteig-, Verrottungs- und Schimmelpartikeln. Da zu dieser Zeit die alten Weizenvorräte knapp wurden und schimmlig wurden, erwies sich die „Hausreinigung“ als ideale Gelegenheit, die Lager von dem alten schon schimmligen Weizen zu reinigen und für den neuen Weizen vorzubereiten. Andernfalls könnte der „alte Sauerteig“, d. h. der Schimmelpilz, das frische Getreide verunreinigen und es schimmelig machen.

Diese Symbolik sollte, genau wie die acht Festtage vor Passah, wo  nur ungesäuertes Brot (Mazzen) gegessen wurden, dem Israeliten zur Erinnerung bringen, wer sie eigentlich waren: Nämlich ein  heiliges Volk des Herrn,  erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind ( 5Mose 7,6). Der „Sauerteig“ war also die Unterscheidung, die Trennung der Glaubenden vom Bösen.

In Neuen Testament wird die Bedeutung des Sauerteigs noch deutlicher gemacht:

Jesus  warnte so seine Jünger, dass sie sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer hüten sollten!  (Mat 16, 6). Damit meinte er die  Lehre der Pharisäer und Sadduzäer, die durch raffinierte Methoden die Gebote Gottes:  seine Forderungen, Gerechtigkeit  und Ethik zu umgehen versuchten.

Auch Apostel Paul schreibt in seinem Brief zur Gemeinde in Korinth folgende Sätze:

 Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?  Darum schafft den alten Sauerteig weg, auf dass ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid.

Denn auch unser Passalamm ist geopfert, das ist Christus. Darum lasst uns das Fest feiern nicht mit dem alten Sauerteig, auch nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.

Mit diesen Sätzen, die in der selber Ebene wie das Hohelied der Liebe stehen, meinte  der Apostel den Sauerteig der Sünde und Schlechtigkeit; darunter sehr konkrete Sachen, die er auch in den Briefen  erwähnte:  Unzucht, Streit und Götzendienst. Solche Mahnungen waren der Kirche überhaupt nicht unverständlich. Sie standen nicht gegenüber den Mahnungen nicht vor einem  dunklem Bild oder das es ihnen sogar stückweise erkennbar war. Nein, sie wussten sehr genau,  was Sie tun sollen: sich reinigen, und von der Sünde sich entschieden zu trennen.

So haben Christen durch Jahrhunderte die Passionszeit auch wahrgenommen. Es sollte mehr als eine Kehrwoche und Zeit für Hausreinigung sein. Am erster Stelle sollte es eine Zeit der Besinnung, Buße und Bekehrung sein – von allem, was die Bibel an Sünde , Abfall und Greuel nennt.

Dieser Aufruf ist  für uns gegenwärtige Christen aktueller als je zuvor. Deshalb nehmen wir die kommende Passionszeit ernst und reinigen uns von dem Sauerteig der Sünde und Schlechtigkeit.

Vatroslav Zupancic

Pastor, Mühlheim am Main

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.