Mut zur Tradition!

Warum ist die Tradition wichtig?

Das Wort  Tradition leitet sich vom lateinischen Begriff „Tradere“ ab, was bedeutet: Übergabe oder Überlieferung (von  Generation zu Generation).

Dieser Satz hat von Anfang an eine sehr wichtige Rolle in der Bibel gespielt. Dort steht,  dass alle Ereignisse sorgfältig aufgeschrieben werden sollten, um sie für immer aufzuzeichnen und dann in erster Linie in der Familie und dann in der israelischen Gemeinschaft zu übermitteln.

Treue zu dieser Tradition wurde mit dem Bund und dem Versprechen des Segens von Gott selbst besiegelt ( Solltet ihr  meine Gebote halten und tun, so werde ich euch … 3 Mose 26)

Die biblische Geschichte erzählt uns jedoch auch über tragische Konsequenzen, wenn diese Tradition von Gottes Volk nicht ernsthaft verstanden wurde.

Jedes Mal, wenn die Israeliten versuchten, „Brücken“ mit anderen Völkern zu bauen und ihre Kultur in ihren Gottesdienst aufzunehmen, erlebten sie Misserfolge, Spaltungen, und Niederlagen. Dies  führte dann immer zu einer schmerzhaften Rückkehr zur „alten“ Überlieferung /Tradition,  von Moses und Propheten.

Nach einer solchen Rückkehr aus dem  Babylonischen Exil trat eine Tradition der Rabbiner auf, die eifersüchtig und mit großem Eifer jedes geschriebene und hingebungsvolle Wort aus dem Alten Testament respektierte.

Christus selbst legte einen großen Wert auf die Bedeutung solcher Überlieferung , als er in seiner Bergpredigt erklärte:

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird der kleinste Buchstabe und ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer ist aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. (Matthäus 5: 17-19)

Die Übertragung oder Tradition eines jeden Buchstabens  steht so in direktem Zusammenhang mit dem Konzept des Himmelreichs. Aus diesem Grund hat die christliche Kirche den hebräischen Kanon (TNK) erfolgreich in ihren Kanon integriert. Denn hier veröffentlicht sie  außer seiner Heilsgeschichte und den Messias- Verheißungen  auch ihren unveränderlichen ethischen Kodex.

Die Autoren des Neuen Testaments und besonders die Apostel betonten, dass die Tradition und die korrekte Übertragung von Ereignissen ein besonders wichtiges Element des Christentums waren.

Der Apostel Judas schrieb deshalb: „… hielt ich’s für nötig, euch in meinem Brief zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist.“ (Judas 3)

Er behauptete dies, weil die Tradition bereits in den ersten Jahren in Gefahr geraten war: Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist: Gottlose sind sie, missbrauchen die Gnade unseres Gottes für ihre Ausschweifung und verleugnen unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesus Christus (Judas 4)

Diese  falschen Lehrer haben Gottes Gnade ernsthaft missbraucht , um ihre sündigen Lebensweisen zu rechtfertigen.

Solche Spannungen zwischen der biblischen Tradition und dem Druck zu ihrem Missbrauch und  Änderung waren in der Kirchengeschichte häufig. Reformation war so  im wesentlichen eine  Traditions-Bewegung,  die der Rückkehr zu biblischen Überlieferungen in der Schrift (sola scriptura) suchte  – im Gegensatz zu damaligen Interventionen und Eingriffen; sogar von Kirchenmenschen.

Auch im letzten Jahrhundert versuchten vergeblich  einige Gruppen durch den Ausschluss jüdischer Elemente aus der Bibel, die biblische Tradition im Namen modernen Ideen zu entfernen.

Heute haben solche Versuche nicht abgenommen. Im Namen von wesentlichen säkularen Idealen versucht man  die Tradition irgendwie zum dem Zeitalter anzupassen. Solche Bemühungen können auch vorübergehenden Erfolg haben, führen jedoch auf lange Sicht in eine riskante und nach erfolglose Richtung.

Tradition dagegen kennzeichnet weiter die fröhliche Zuversicht in Gott und seine sichere Richtung für die  Zukunft.

Deswegen:

Wer  die Tradition liebt der liebt auch die Theologie.

Wer  die Tradition respektiert, liebt und schätzt auch die Kirche.

Wer die Tradition respektiert, ehrt auch  seinen Nächsten.

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