Was ist denn: Bibeltreu?

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„Wir sind bibeltreu“. Immer wieder hören wir diese drei Worte. Wir hören sie aber nicht nur von Menschen, die dieselbe Glaubensfarbe wie wir haben, sondern auch von anderen Christen. Jeder, der es ernst meint mit seinem Glauben, wird versuchen, der Bibel treu zu sein und sie so zu leben, wie er sie sich ins Lebens übersetzt. Deshalb kann es leicht überheblich werden, wenn ich sage: „Ich bin bibeltreu …“ – weil dahinter stehen kann:“… die anderen Christen nicht.“

Auch wir vom Netzwerk „Verwurzelt“ haben unsere Glaubensfarbe. Wann spüren wir beim Gebrauch der Bibel unsere „Wurzeln in Christus“? Welche ist unsere Art, mit der Bibel umzugehen? Was ist uns für die „Treue zur Bibel“ wichtig?

Dazu möchten wir die drei Anregungen geben:

1. Wir schauen auf Predigt und Handeln Jesu

Wir suchen mit unseren Wurzelspitzen den Willen von Jesus Christus. Was hat er gepredigt? Wie ist er mit Gesetzen und Geboten, dem Wort Gottes, umgegangen? Welche Auffassungen zum Glauben und zur Ethik möchte ER uns mitgeben? Dieses Suchen geschieht nicht allein durch das Lesen der Evangelien – es ist verbunden mit dem forschenden, hörenden Gebet: Christus, was willst Du mir heute durch den Bibeltext sagen? Wie möchtest Du mein Leben und das meiner Gemeinde haben? Wir wollen Bibel-treu sein, indem wir sie durch das Wort Gottes namens „Jesus Christus“ lesen.
Wie lesen wir die Evangelien von Christus: Wir gestehen uns zu, sie „einfältig“ zu lesen:



2. Wir trauen uns, einfältig zu denken.

Dietrich Bonhoeffer beschreibt in seinem Buch „Nachfolge“, wie man die Bibelstelle vom Aufgeben allen Reichtums (Mt 19:16-26) unterschiedlich auslegen kann.

Populär war damals die Auslegung (und ist es bei uns heute): „Wenn aber Jesus befiehlt, dann soll ich wissen, daß er niemals gesetzlichen Gehorsam fordert, son­dern daß er nur eines von mir will, nämlich daß ich glaube. Nicht darauf kommt es an, daß ich keine Güter habe, sondern daß ich die Güter so habe, als hätte ich sie nicht und daß ich innerlich von ihnen frei bin, daß ich mein Herz nicht an meinen Reichtum hänge.“ Diese Verständnis bezeichnet Bonhoeffer als „paradoxes Verständnis“  und schreibt: „Das paradoxe Verständnis der Gebote hat sein christliches Recht, aber es darf niemals dazu führen, daß es das einfältige Verständnis der Gebote aufhebt.“   Dieses „einfältige Verständnis“ des Evangeliums ist,das Gebot Jesu einfältig zu verstehen und wörtlich zu gehorchen, also etwa die Güter auf einen Befehl Jesu tatsächlich hinzugeben, statt sie zu behalten, der hat kein Recht zu dem paradoxen Verständnis des Wortes Jesu.“

Das Evangelium lässt sich in der „paradoxen“ Weise sehr weit auslegen – und das eröffnet uns Menschen ganz wichtige Lebenshorizonte. In der „einfältigen“ Weise eröffnen sich uns Möglichkeiten, Gott gehorsam zu sein und im Glauben zu wachsen – weil nicht alles die Zustimmung unseres Verstandes findet.

Beispiel: So stecken etwa, um in Mt19 zu bleiben, bei der Frage nach der Ehescheidung tiefe „paradoxe“ Gedanken Jesu, wenn er sagt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang schuf als Mann und Frau 5 und sprach (1. Mose 2,24): »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein«?“. Es steht aber auch die einfältige Information in diesen Zeilen, dass Jesus den Schöpfungsplan Gottes aufnimmt, bestätigt: Eine Familienverbindung besteht aus Mann und Frau.

So drücken wir die Treue zur Bibel dadurch aus, indem wir sie auch „einfältig“ lesen. Es gehört aber Mut dazu, diese oft unpopulären Wahrheiten auch ganz auszusprechen:

(Der ganze Artikel von D.Bonhoeffer befindet sich hier )



3. Den ganzen Ratschluss Gottes predigen.

Wir versuchen, nicht die biblischen Maßstäbe den Menschen anzupassen, sondern rufen die Menschen zur Umkehr zu diesen Maßstäben von Jesus auf. Das ist manchmal schmerzhaft, unpopulär und oft gegen die Kultur der Zeit.

John Wesley drückte das so aus: „I did not shun to declare the whole counsel of God“ (Ich scheute mich nicht, den ganzen Ratschluss Gottes zu deklarieren.) Dies geht auf Apg 20 zurück, wo Paulus resümiert: „Denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen“ (Quellen: Hier)

Verwurzelt mit Christus zu sein heißt für uns, nicht nur halbe, angenehme Wahrheiten zu verkündigen, sondern „ganz“ bei der Sache zu sein: Das Evangelium ist nicht nur Zuspruch, sondern auch Anspruch. Wir wollen biblischen Aussagen treu sein, auch wenn sie für Menschen manchmal befremdlich sind.

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